Forscher wollen eine entscheidende Lücke in der Kreislaufwirtschaft schließen und mit kritischen Rohstoffen in Elektroschrott nationale Sicherheit und Wirtschaft stärken.
Von Jahr zu Jahr wächst das Aufkommen an Elektroschrott. Das bringt nicht nur Gefahren für die Umwelt mit sich, sondern schwächt auch die Rohstoffversorgung. Denn die entsorgten Geräte enthalten wertvolle Ressourcen wie Seltene Erden, Lithium oder Edelmetalle, deren heimische Produktion zahlreiche Länder ausbauen wollen, um Importabhängigkeiten zu reduzieren. Weltweit streben Regierungen daher eine Steigerung des Recyclings an und setzen dazu auch Fördermittel ein. Doch bislang bremsen Hürden wie hohe Aufbereitungskosten und regulatorische Unsicherheiten den Hochlauf.
Forscher der University of Houston im US-Bundesstaat Texas haben nun ein Lieferkettenmodell entwickelt, um großflächiges Recycling für die Privatwirtschaft deutlich rentabler zu machen. Denn das bisherige System sei teuer und kompliziert, erklärt Studienleiter Professor Jian Shi: Ein fragmentiertes Netz aus Herstellern, unabhängigen Sammlern und Materialaufbereitungsunternehmen, die oft ineffizient zusammenarbeiten.
Neues Modell soll aus Wettbewerbern Recycling-Partner machen
Die vom US-Energieministerium geförderte Forschungsarbeit soll aufzeigen, wie Wettbewerber stattdessen zu Partnern werden und Gewinne fairer verteilt werden könnten. Bei der Entwicklung des Modells wurden Konsumentenverhalten, regulatorische Anreize und Marktwettbewerb miteinbezogen. Dabei kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss: Subventionen alleine reichen nicht aus, um die Kreislaufwirtschaft effizient zu machen. Zusätzlich brauche es gezielte Anreize für Unternehmen und politische Unterstützung, die auf die jeweilige Region zugeschnitten ist, wie Simulationen für Subsahara-Afrika, reiche Industrienationen und aufstrebende asiatische Industrieländer verdeutlichen.
Im Vergleich zur Ausgangslage zeigt das Modell deutliche finanzielle Vorteile für die Hersteller von Elektronikprodukten, zurückzuführen unter anderem darauf, dass sie Elektronikschrott selbst zurücknehmen und aufbereiten könnten, statt den Weg über Händler oder Drittanbieter zu gehen. Auch das Recyclingvolumen würde leicht zunehmen und die Sammelstellen könnten bei geteilter Kostenlast sogar fast doppelt so viel verdienen. Nicht zuletzt ließen sich kritische Rohstoffe in den USA halten, um der nationalen Sicherheit und Wirtschaft zugutezukommen, statt auf ausländischen Deponien zu landen, so Shi.
Mehr zum Thema: Innovative neue Ansätze zum Recycling von Elektroschrott präsentiert alljährlich die Messe E-Waste World in Frankfurt am Main, Rohstoff.net war vor Ort.
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