Der wichtigste Einsatzbereich von Rhenium ist die Verwendung in Nickelbasis-Superlegierungen. Diese Legierungen kommen vor allem in Flugzeugtriebwerken, Gasturbinen und bestimmten Raumfahrtanwendungen zum Einsatz. Rhenium verbessert dort die Hochtemperaturfestigkeit und Kriechbeständigkeit. Das bedeutet: Bauteile verformen sich auch unter großer Hitze und dauerhafter mechanischer Belastung deutlich langsamer.
Die Wirkung von Rhenium beruht vor allem darauf, dass es die Diffusion von Atomen innerhalb der Legierung verlangsamt. Dadurch bleiben die für die Festigkeit wichtigen Mikrostrukturen bei hohen Temperaturen länger stabil. In Turbinenschaufeln hilft Rhenium so, Materialermüdung, Verformung und Strukturabbau zu verzögern. Das ermöglicht höhere Betriebstemperaturen, bessere Effizienz und eine längere Lebensdauer stark belasteter Komponenten.
Der sehr hohe Schmelzpunkt von Rhenium von etwa 3.186 Grad Celsius ist dabei zwar eine wichtige Materialeigenschaft. Für die Leistungsfähigkeit rheniumhaltiger Superlegierungen ist jedoch vor allem entscheidend, wie Rhenium die Legierungsstruktur stabilisiert und ihre Belastbarkeit bei extremen Temperaturen erhöht.
Das zweitgrößte Anwendungsgebiet von Rhenium ist die Erdölindustrie. Sie steht für etwa 15 Prozent des jährlichen Bedarfs. Zusammen mit Platin kommt das Technologiemetall dort in Katalysatoren in der Erdölraffination zum Einsatz, um die Qualität von Kraftstoffen zu verbessern. Im sogenannten katalytischen Reforming werden Zwischenprodukte wie Naphtha chemisch in hochwertigere Benzinkomponenten umgewandelt, die die Oktanzahl des Kraftstoffs erhöhen. Die Oktanzahl gibt die sogenannte Klopffestigkeit an, also wie widerstandsfähig ein Kraftstoff gegenüber unkontrollierter Selbstzündung im Motor ist – je höher, desto besser.
Rhenium verlängert dabei die Lebensdauer und Leistungsfähigkeit des Katalysatorsystems. Das Metall sorgt dafür, dass sich weniger Kohlenstoff auf der Oberfläche ablagert als bei reinem Platin. Das verlangsamt den Verschleiß und senkt den Energiebedarf, weil über die gesamte Katalysatorlaufzeit ein stabilerer Betrieb mit niedrigerem Druck und geringerer Temperatur möglich wird.
Ein verhältnismäßig kleines, aber technologisch wichtiges Anwendungsgebiet für Rhenium sind Hochtemperatur- und Spezialanwendungen. Dort wird das Metall vor allem als Legierungszusatz eingesetzt, um Werkstoffe widerstandsfähiger gegenüber Hitze und mechanischen Belastungen zu machen.
Ab den 1950er-Jahren fand Rhenium zunehmend Verwendung in Hochtemperaturwerkstoffen wie Wolfram- und Molybdänlegierungen. Ziel waren Werkstoffe mit hoher Temperaturfestigkeit, die sich auch unter dauerhafter Belastung kaum verformen – etwa für Heizdrähte, Thermoelemente und zugehörige Messsysteme. Diese kommen unter anderem in Hochtemperaturöfen, der Raumfahrttechnik oder bei Triebwerkstests zum Einsatz. Vor allem die Temperaturmessung unter extremen Bedingungen zählt bis heute zu den wichtigsten Spezialanwendungen von Rhenium.
Darüber hinaus wird Rhenium in hochbeanspruchten Bauteilen sowie in Strahlenanwendungen wie der Elektronenstrahl- und Röntgenstrahltechnik eingesetzt. In geringerem Umfang findet es Anwendung in der Hochvakuumtechnik – also in Systemen, die nahezu luftleer sind und unter extrem niedrigem Druck arbeiten, um Prozesse unter besonders reinen Bedingungen zu ermöglichen. In der Medizin werden rheniumhaltige Molybdän-Legierungen in ersten spezialisierten Anwendungen für hochbelastbare Implantate der nächsten Generation genutzt.